Ich gebe zu: Jedes Mal, wenn ich die Oscar-Übertragung sehe, ertappe ich mich dabei, wie in meinem Kopf ein interner Buchhalter arbeitet. Während die Kameraleute die Tränen der Glücklichen einfangen, zähle ich irgendwie, wie viel der Teppich unter ihren Füßen kostet, wie viel das Bankett verschlungen hat und vor allem — was dieser Typ in Fliege oder dieses Mädchen in einem eineinhalb Millionen Dollar teuren Kleid eigentlich in Händen hält (das Kleid ist übrigens meistens kostenlos — aber dazu später mehr).
Übermorgen, am 15. März, findet im Dolby Theatre in Hollywood die 98. Oscar-Verleihung statt. Und während alle diskutieren werden, wer gewonnen hat und wer übergangen wurde, schlage ich vor, über Geld zu sprechen. Ohne Pathos, ohne heilige Ehrfurcht — einfach Zahlen, Fakten und ein paar Geschichten darüber, wie eine hübsche Spielerei zum Gegenstand von Gerichtsverfahren und Rekordgeschäften wurde.
Für den deutschen und Schweizer Leser sowie österreichische Unternehmer veranschaulichen die Oscars die Macht der Marke und des geistigen Eigentums: Eine 700-Dollar-Statue* (etwa 605 €* oder 645 CHF*) verwandelt sich in ein Millionen wertes Asset — eine Lektion, die auch für die wachsende deutsche und internationale Filmproduktion relevant ist, die auf dem Weltmarkt Fuß fasst.
Ein aus Langeweile geborener Ritter
Diese Geschichte begann ganz alltäglich. 1928 saß der MGM-Künstler Cedric Gibbons in einer Besprechung. Die Langeweile muss unerträglich gewesen sein, denn er nahm seinen Notizblock und zeichnete einen Ritter mit Schwert. Angeblich diente der mexikanische Schauspieler Emilio Fernández als Vorbild — ein farbenfroher Mann mit markantem Aussehen. Gibbons zeigte die Skizze dem befreundeten Bildhauer George Stanley, der eine Figur formte und sie der American Film Academy für 500 Dollar* (etwa 430 €* oder 460 CHF*) verkaufte. Für damalige Verhältnisse eine anständige Summe.
Der erste Oscar wurde 1929 verliehen (im Bild übergibt Douglas Fairbanks die Statuette an die Schauspielerin Janet Gaynor). Allerdings hieß das bescheiden „Anerkennungspreis“. Weder Pathos noch Intrige. Die Statuette hatte auch keinen Namen — den erhielt sie erst 1931. Die Historiker streiten, ob zu Ehren von Bette Davis‘ Ehemann Harmon Oscar Nelson oder weil der Journalist Sidney Skolsky es einfach leid war, „namenlose Statuette“ zu schreiben, und sie selbst taufte. Wie auch immer, der Name blieb.

Der Ritter selbst hat sich in hundert Jahren kaum verändert. Die Materialien allerdings schon. Heute besteht das Innere aus einer Legierung namens Britannium — zu 93% Zinn, etwas Antimon und Kupfer. Die Oberfläche ist mit 24-karätigem Gold überzogen, in einer hauchdünnen Schicht — nur 0,38 Mikrometer. Das ist, wenn Sie interessiert, zweihundertmal dünner als ein menschliches Haar. Der Ritter steht auf schwarzem Marmor, ist 34 Zentimeter hoch und wiegt fast 4 Kilogramm.

Und hier das Interessanteste: Eine solche Figur herzustellen, dauert drei Monate. Im Jahr werden etwa fünfzig Stück produziert, obwohl höchstens fünfundzwanzig bis dreißig verliehen werden. Die anderen warten auf ihren Einsatz für unvorhergesehene Fälle: Stimmengleichheit, zusätzliche Auszeichnungen oder falls jemand die Statuette vor der Verleihung fallen lässt.
Und jetzt halten Sie sich fest. Die Herstellungskosten eines Oscars? Etwa siebenhundert Dollar* (etwa 605 €* oder 645 CHF*). Ja, ich habe mich nicht geirrt. Weniger als tausend. Ungefähr so viel wie ein anständiger Staubsauger oder ein sehr bescheidenes Abendessen für einen Hollywoodstar.
Ein Dollar für einen Traum
1950 hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences eine Erleuchtung. Man erkannte: Wenn man den Handel mit Statuetten nicht stoppt, wird der Oscar zu einer gewöhnlichen Marktware, die von Auktion zu Auktion wandert und all ihr Prestige verliert. Also erfanden sie eine Regel.
Seitdem unterschreibt jeder, der den ersehnten Ritter erhält, einen Vertrag: Die Statuette darf nur an die Akademie zurückverkauft werden. Und der Preis ist fix — ein Dollar* (etwa 0,86 €* oder 0,92 CHF*). Stellen Sie sich vor? Sie gewinnen die Hauptauszeichnung Ihres Lebens, und ein paar Jahre später, falls Sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten, können Sie sie wie Leergut zurückgeben. Für einen Dollar.
Aber es gibt einen Haken. Die Regel gilt nur für diejenigen, die den Oscar nach 1950 erhalten haben. Alles, was früher verliehen wurde, ist frei im Umlauf — genauer gesagt, in einem rechtlichen Freiraum, in dem heftige Leidenschaften brodeln.
Jagd nach Rittern: Fünf Geschichten
Bevor die Akademie das Tor schloss, haben es einige geschafft, hindurchzuschlüpfen. Und dann begann etwas, dass Drehbuchautoren von Seifenopern neidisch macht.
Erste Geschichte — über „Vom Winde verweht“
Produzent David Selznick erhielt die Statuette 1940. 1999 tauchte sie bei Sotheby’s auf. Startpreis: dreihunderttausend. Und dann betritt Michael Jackson den Auktionssaal. Der King of Pop wollte diese Trophäe unbedingt. Er schaltete in den Modus „Geld spielt keine Rolle“ und kaufte den Ritter für über eine Million — genau 1,54 Millionen Dollar* (etwa 1,33 Millionen €* oder 1,42 Millionen CHF*). Bis heute Rekord.

Wo dieser Oscar heute ist? Ein Rätsel. Nach Jacksons Tod verschwand die Statuette spurlos.
Zweite Geschichte — über den Zauberer
David Copperfield kaufte 2003 die Statuette von Michael Curtiz für „Casablanca“. Er zahlte 231.000 Dollar* (etwa 199.500 €* oder 212.500 CHF*). Neun Jahre später verkaufte er sie für zwei Millionen Dollar* (etwa 1,73 Millionen €* oder 1,84 Millionen CHF*). Reingewinn — fast 1,77 Millionen Dollar. Jeder Investor würde eine solche Rendite beneiden.
Dritte — über Orson Welles und seinen „Citizen Kane“
Als die Tochter des Regisseurs, Beatrice, 2003 versuchte, den Oscar ihres Vaters zu verkaufen, erhob die Akademie Klage und untersagte den Handel. Aber das Mädchen war hartnäckig. Ein Jahr später kam sie wieder — und das Gericht erlaubte es plötzlich. Dies war der erste Fall, den die Akademie verlor. Die Statuette wurde für 862.000 Dollar* (etwa 744.000 €* oder 793.000 CHF*) verkauft.
Vierte — über Spielberg als Sammler
Steven Spielberg hat selbst jede Menge Oscars, aber er sammelt irgendwie auch gerne fremde. Er kaufte Clark Gables Statuette für 607.000 Dollar* (etwa 524.000 €* oder 558.000 CHF*), dann erwarb er zwei von Bette Davis für 758.000 Dollar* (etwa 654.000 €* oder 697.000 CHF*). Und als korrekter Mensch gab er sie der Akademie zur Aufbewahrung — um die Anwälte nicht zu nerven.

Anzumerken ist: Spielberg ist immer noch im Geschäft: In diesem Jahr erscheint sein neuer Regiefilm „Der Tag der Enthüllung“. Der Streifen widmet sich dem Lieblingsthema des Regisseurs — Außerirdischen. Die Premiere ist für den 12. Juni dieses Jahres geplant. Wir warten gespannt!
Fünfte — über Gier, die nicht bestraft wird, aber doch bestraft wird
2014 beschloss ein gewisser Joseph Tutalo, den Oscar seines Onkels zu verkaufen, den dieser 1943 für den Film „Mein Mädchen Sal“ erhalten hatte. Er verkaufte ihn für 79.000 Dollar* (etwa 68.200 €* oder 72.700 CHF*). Die Akademie verklagte ihn und zwang ihn, die Statuette zurückzugeben. Die Regel funktioniert: Erst biete sie uns für einen Dollar an, dann erst auf den Markt.
Und was ist im Umschlag?
Angenommen, Sie haben gewonnen. Sie halten einen Ritter für siebenhundert Dollar in den Händen, den Sie nicht verkaufen können. Enttäuschung? Nicht so schnell. Denn neben der Statuette bekommen die Gewinner — und sogar die Verlierer — noch etwas anderes.

Für die Laureaten werden Geschenkkörbe vorbereitet. Nicht unbedingt Körbe, eher Dienstleistungspakete. VIP-Reisen, Schmuck, Anmietung von Luxusautos für ein Jahr, Yachten, Privatflugzeuge. In Summe beläuft sich das auf 290.000 Dollar* (etwa 250.000 €* oder 267.000 CHF*). Damit sich der Mensch sofort auf dem Gipfel der Welt fühlt und nicht nur mit einem glänzenden Spielzeug in den Händen.
Den Nominierten, die verloren haben, wird auch etwas zuteil. Sie bekommen Trostpreise — etwa 125.000 Dollar* pro Person (etwa 108.000 €* oder 115.000 CHF*). Damit das Lächeln in die Kamera nicht so weh tut, wenn ein anderer Name aufgerufen wird.
Zahlen auf dem roten Teppich
Jetzt überschlagen wir, was das Fest selbst kostet. Nehmen wir die Daten von 2024 — die letzten offiziellen. Die Inflation hat natürlich Korrekturen vorgenommen, aber die Größenordnung ist klar.

Das Gesamtbudget der Zeremonie beträgt fast 57 Millionen Dollar* (etwa 49,2 Millionen €* oder 52,4 Millionen CHF*). Wir schlüsseln es kurz auf:
- Umschläge — 19.000 Dollar* (etwa 16.400 €* oder 17.500 CHF*). Ja, die, die auf der Bühne geöffnet werden. Handarbeit, 200 Dollar pro Stück. Überzählige werden vor der Zeremonie vernichtet — Geheimhaltung.
- Roter Teppich — 25.000 Dollar* (etwa 21.600 €* oder 23.000 CHF*). Einhundertfünfzig Meter Teppich werden von Hand gefärbt. Farbe: Burgunderrot. Rot sieht er nur im Fernsehen aus.
- Champagner — 80.000–90.000 Dollar* (etwa 69.000–77.700 €* oder 73.600–82.800 CHF*). Das reicht, um eine kleine Badewanne zu füllen.
- Gouverneurs-Dinner — 1,8 Millionen Dollar* (etwa 1,55 Millionen €* oder 1,66 Millionen CHF*). Das Hauptbankett nach der Zeremonie. Trüffel, Steaks, Schokoladen-Oscars mit essbarem Gold.
- Limousinen — etwa 1,8 Millionen Dollar* (etwa 1,55 Millionen €* oder 1,66 Millionen CHF*). Zweitausend Autos für die Stars für einen ganzen Tag.
- Sicherheit — 250.000 Dollar* (etwa 216.000 €* oder 230.000 CHF*). Bescheiden, aber geschmackvoll.
Die Outfits der Stars sind hier nicht enthalten — sie werden von den Marken bezahlt. Ein kompletter Look (Kleid, Schmuck, Stylisten) kostet durchschnittlich eineinhalb Millionen Dollar* (etwa 1,3 Millionen €* oder 1,38 Millionen CHF*), aber das sind persönliche Verträge, nicht das Budget der Zeremonie.
Und ein separater Posten — die Filmwerbung. Damit die Akademiemitglieder den Film bemerken, geben die Studios mehr als einhundert Millionen Dollar* (etwa 86,3 Millionen €* oder 92 Millionen CHF*) aus. Früher verschickten sie physische Kopien — das waren Millionen für Disks und Versand. Jetzt sind sie auf Streaming umgestiegen: Die Übertragung eines Films kostet etwa zwanzigtausend Dollar* (etwa 17.300 €* oder 18.400 CHF*). Ersparnis, aber immer noch teuer.
Hauptsache nicht die Statuette
Wenn man alle Zahlen zusammenzählt, ergibt sich ein absurdes Bild: Ein glänzender Ritter für siebenhundert Dollar, der rechtlich einen Dollar wert ist, eine Zeremonie für siebenundfünfzig Millionen, Studiobudgets für Hunderte. Wo ist die Logik?

Die Logik ist einfach: Der Oscar handelt nicht von Metall und Vergoldung. Es ist eine Eintrittskarte in eine andere Welt. Ein Film, der die Statuette erhält, spielt ein Vielfaches an den Kinokassen ein. Ein Schauspieler, der Preisträger wird, katapultiert sein Honorar in die Höhe. Ein Studio mit einem Oscar im Regal verkauft die nächsten Projekte schneller und teurer.
An sich ist dieser Ritter nur ein Stück Zinn mit Goldauflage. Aber als Symbol — ist es der Schlüssel zu Millionen. Für einen solchen Schlüssel sind Menschen bereit, eineinhalb Millionen auf einer Auktion zu zahlen und jahrelang zu prozessieren.
Übermorgen, wenn der nächste Glückspilz mit der Statuette von der Bühne winkt, werde ich wieder meinen internen Buchhalter einschalten. Aber dieses Mal werde ich mich vielleicht einfach für den Menschen freuen. Er hat es verdient. Auch wenn sein Ritter so viel wie ein Staubsauger kostet.
* Hinweis: Die Umrechnungen in Euro und Schweizer Franken sind Näherungswerte, basierend auf den Wechselkursen vom 13. März 2026: 1 USD = 0.8635 EUR / 0.92 CHF. Die tatsächlichen Kurse können abweichen. Für aktuelle Umrechnungen nutzen Sie bitte den Währungsrechner.
