3. März 2026. Der Montagmorgen begann für die Händler mit einer kalten Dusche. Während Europa und die USA das Wochenende genossen, geschah im Nahen Osten, wovor die Märkte seit über einem Jahr Angst hatten. Die USA und Israel griffen Ziele im Iran an, und Teheran drohte daraufhin mit der Schließung der Straße von Hormus — der wichtigsten Ölader des Planeten. Die Aktienindizes färbten sich rot, die Ölsorte Brent legte innerhalb weniger Stunden um 13% zu und berührte 82 $* pro Barrel, während die europäischen Gaspreise um 41% in die Höhe schossen. Doch die Hauptüberraschungen stehen offenbar noch bevor.
Am Samstagabend wurden Angriffe auf iranische Einrichtungen bekannt. Bis Sonntag tat Teheran das, was die Lage sofort eskalieren ließ: Tankern in der Straße von Hormus wurde zu verstehen gegeben — Durchfahrt verboten. Zwei Schiffe wurden bereits angegriffen: eines vor der Küste Omans, ein weiteres in der Nähe der VAE. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation rief Schiffe dazu auf, das Gebiet zu meiden. Maersk, der weltweit führende Containerreederei-Konzern, kündigte an, den Transit durch die Meerenge und den Suezkanal auszusetzen. Der Welthandel erstarrte.
Gasschock: Katar stoppt Produktion
Der eigentliche Paukenschlag (im wahrsten Sinne des Wortes) kam jedoch aus Katar. Dort, wie der Guardian berichtet, hat das staatliche Unternehmen QatarEnergy die Produktion von Flüssigerdgas nach Angriffen auf Terminals in Ras Laffan und Mesaieed eingestellt. Das katarische Verteidigungsministerium bestätigte, dass eine Drohne eine Energieanlage in Ras Laffan getroffen habe. Es gibt glücklicherweise keine Opfer. Aber die Produktion steht still.
Ras Laffan ist keine gewöhnliche Fabrik. Es ist der größte LNG-Exportterminal der Welt. Sein Ausfall könnte dem globalen Markt fast ein Fünftel der gesamten Flüssiggaslieferungen entziehen. Und das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Europa sich noch nicht von der Energiekrise 2022 erholt hat und die Lagerbestände aufgrund des kalten Winters schneller als üblich schmelzen.

Die Reaktion des Marktes ließ nicht lange auf sich warten. Der niederländische TTF (der Benchmark für ganz Europa) schoss von 32 €* (ca. 35 €*) auf 45 €* (ca. 48,50 €*) pro Megawattstunde. Plus 41% an einem einzigen Tag. Der britische Index stieg um 40%. Jess Ralston von der Energy and Climate Intelligence Unit hat dies bereits als „Weckruf“ bezeichnet: Die Energierechnungen für Haushalte und Unternehmen werden wieder steigen.
Öl: Brent durchbricht die Decke
Die gleiche Geschichte beim Öl. Brent schoss zeitweise um 13% in die Höhe und erreichte 82 $* pro Barrel — den höchsten Stand seit 14 Monaten. Bis Montagabend legte sich die Aufregung etwas, aber die Notierungen blieben 6% über den Freitagswerten — bei etwa 77 $*.

Warum diese heftige Reaktion? Die Zahlen sprechen für sich: Etwa ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen und fast das gesamte auf dem Seeweg transportierte Flüssiggas passieren die Straße von Hormus. Ist die Meerenge de facto geschlossen (auch ohne offizielle Ankündigung), fahren keine Tanker, Versicherer verweigern die Deckung, Händler geraten in Panik.

Analysten von Wood Mackenzie schlagen Alarm: Wir erleben einen doppelten Schock — nicht nur der aktuelle Export ist gestoppt, sondern auch der Zugang zu den Reservekapazitäten der OPEC+ (die alle in der Region liegen) ist faktisch blockiert. Wenn sich die Situation hinzieht, könnten dreistellige Ölpreise — 100 $* und mehr — bis zum Sommer Realität werden.
Aktienmärkte: Rot rund um den Globus
Investoren hassen Unsicherheit. Und ein Krieg im Nahen Osten unter Beteiligung einer Atommacht ist der Inbegriff von Unsicherheit. Die europäischen Indizes stürzten ab: Der deutsche Dax verlor 2,4%, der französische CAC 40 2,2%, der italienische FTSE MIB 2% und der spanische Ibex 2,6%. Der britische FTSE 100 fiel mit 1,2% etwas moderater, gestützt durch die gestiegenen Aktien der Ölriesen BP und Shell (jeweils +3%).
Auch Asien ist im Minus: Der japanische Nikkei 225 gab um fast 2,4% nach, der chinesische Shenzhen Composite um 0,7%. Der australische ASX 200 eröffnete mit einem starken Einbruch, konnte die Verluste bis zum Schluss aber wieder wettmachen.
Am schlimmsten traf es die Fluggesellschaften: IAG (Eigentümer von British Airways) stürzte um 6% ab, easyJet um 4%. Tausende Flüge wurden gestrichen oder verschoben aufgrund der Schließung des Luftraums über der Konfliktzone und der explodierenden Treibstoffpreise.
Der Rüstungssektor boomt traditionell: BAE Systems legte um 5% zu. Krieg ist die Zeit teurer Rüstungsaktien, das ist ein Axiom.
Die Wall Street eröffnete mit Verlusten, aber bis zum Montagabend stabilisierten sich die Indizes etwas. Die Anleger sind ratlos; niemand weiß, wie lange der Konflikt dauern wird. Donald Trump deutete an, dass die Operation noch vier Wochen dauern könnte, bis die Ziele vollständig erreicht sind. Für die Märkte klingt der Satz „vier Wochen Krieg mit dem Iran“ wie ein Todesurteil.
Gold und sichere Häfen
In diesem Chaos flohen die Anleger traditionell in sichere Häfen. Gold stieg um 2,5% auf 2908 $* pro Unze (laut Daten vom Montagabend; zwischenzeitlich berührte der Preis 2950 $). Der Dollar legte gegenüber den meisten Währungen zu. Auch der japanische Yen fand als sicherer Hafen Unterstützung.
Doch die Hauptfrage, die die Märkte jetzt quält: Ist das von Dauer? Wenn der Konflikt zu einem umfassenden Krieg eskaliert, an dem der Iran und seine Stellvertreter in der gesamten Region beteiligt sind, könnten die Energiepreise in stratosphärische Höhen schießen. Und das wäre der direkte Weg in eine globale Rezession.
Was bedeutet das für den deutschen Verbraucher?
Für den deutschen Autofahrer, der jede Woche tankt, und für Unternehmen, die Heizung und Strom bezahlen, sind die Nachrichten schlecht. Die Benzinpreise in Deutschland sind in den letzten Wochen aufgrund traditioneller Faktoren bereits gestiegen: steigende Weltölpreise und ein schwacher Euro. Nun kommt der militärische Faktor hinzu.
Analysten prognostizieren: Wenn Brent über 80 $ bleibt, wird der Liter Kraftstoff an deutschen Tankstellen um durchschnittlich 2-3 Cent teurer. Geht es in Richtung 90 $, kommen weitere 4-5 Cent hinzu. Bei 100 $ könnte Benzin gegenüber den heutigen Preisen um 8-10 Cent pro Liter zulegen. Bedenkt man, dass der Liter Super heute im Schnitt bei etwa 1,75 € liegt, erscheint die Perspektive, sich den 1,85 € zu nähern, mehr als real.
Gas zum Heizen und zur Stromerzeugung wird noch stärker verteuern. Europa ist nach wie vor auf importiertes LNG angewiesen, und der Ausfall von katarischem Gas (auch nur vorübergehend) wird die Geldbörsen treffen. Die Industrie, insbesondere energieintensive Branchen (Chemie, Metallurgie, Zement), gerät erneut unter Druck. Möglicherweise sehen wir vorübergehende Werksschließungen, wie 2022.
Für die Schweiz und Österreich gelten ähnliche Dynamiken, wobei die Franken- und Euro-Stärke kurzfristig etwas abschwächend wirken könnte, der Effekt an der Zapfsäule aber dennoch spürbar sein wird.
Was ist als nächstes zu erwarten?
Die kommenden Tage werden zeigen, wie schwer die Schäden an den katarischen Terminals sind und wie schnell sie behoben werden können. Ebenso wichtig ist, ob der Iran die Straße von Hormus offiziell blockieren oder sich auf „Warnungen“ und gezielte Angriffe auf Schiffe beschränken wird.

Die Märkte preisen derzeit das Worst-Case-Szenario ein. Wenn der Konflikt nicht eskaliert und die Meerenge für Tanker offen bleibt (wenn auch mit erhöhten Risiken), könnten die Preise nach unten korrigieren. Zieht sich der Krieg jedoch hin oder werden andere Akteure (vor allem Saudi-Arabien oder die VAE) hineingezogen, droht eine Wiederholung der Energiekrise von 2022 – oder möglicherweise Schlimmeres.
Eines ist sicher: Der 3. März 2026 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die Märkte endlich erkannten, dass ein Krieg im Nahen Osten kein lokaler Konflikt ist. Es ist eine tektonische Verschiebung für die Weltwirtschaft mit völlig unvorhersehbaren Folgen.
*Anmerkung: Die Preise im Text sind in US-Dollar und Euro zum Stand vom 3. März 2026 angegeben. Der Referenzkurs der EZB an diesem Datum betrug etwa 1,1698 USD pro 1 EUR. Die Umrechnungen in Euro sind Näherungswerte und dienen nur zu Informationszwecken. Sie stellen keine Finanzberatung dar. Aktuelle Wechselkurse können Sie mit unserem Währungsrechner überprüfen.
