26. April 2017, Kiew. In einer Welt, in der Tech-Giganten um Millisekunden bei der Suche, Nanogrößen auf Chips und künstliche Intelligenz kämpfen, klingt eine Nachricht über ein Luftschiff wie ein Anachronismus. Umso amüsanter ist, dass ihr Protagonist Sergey Brin ist, der Mitgründer von Google, ein Mann, der sein Leben lang die Grenzen der digitalen Welt verschoben hat. Medienberichten zufolge baut er heimlich in einer NASA-Halle im Silicon Valley ein großes Luftschiff.
Wenn man darüber nachdenkt, ergibt das durchaus Sinn. Nachdem man eine Maschine erschaffen hat, die jede Information auf dem Planeten finden kann, was tut man als Nächstes? Man könnte natürlich Milliarden auf Konten horten oder eine weitere App bauen. Oder man nimmt sich etwas Monumentales, Physisches und leicht Verrücktes vor. Zum Beispiel, das Zeitalter der Zeppeline wiederzubeleben, aber mit der Technologie des 21. Jahrhunderts. Riecht nach Abenteuer? Zweifellos. Aber Google war ja auch einmal nur eine abenteuerliche Idee in einer Garage.
Kein Hobby, sondern eine Leidenschaft: Was über das Projekt bekannt ist

Laut Quellen von Bloomberg ist das Metallgerüst des Fluggeräts bereits fertig und „belegt den größten Teil“ von Hangar 2 im NASA-Forschungszentrum Ames. Das ist keine Scheune im Garten eines Freundes – es ist eine Einrichtung auf dem Gelände einer der weltweit führenden Raumfahrtagenturen. Das Projekt wird von keinem Geringeren als dem ehemaligen NASA-Programmdirektor Alan Weston geleitet. Brin selbst, so die Agentur, „hat in den letzten Jahren ein Interesse an Luftschiffen entwickelt“, und seine Standardantwort auf eine Kommentaranfrage ist höflich:
„Es tut mir leid, aber ich habe zu diesem Thema derzeit nichts zu sagen.“
Ist das nur ein teures Spielzeug für private Flüge über Kalifornien? Wohl kaum. Der Maßstab und der Ort sprechen von ernsthafteren Ambitionen. Luftschiffe benötigen im Gegensatz zu Flugzeugen keine langen Startbahnen, können in der Luft schweben und verbrauchen deutlich weniger Treibstoff. In einer Welt, die sich mit „Last-Mile“-Logistik und dem CO2-Fußabdruck beschäftigt, wirkt diese Idee nicht mehr so archaisch. Für deutsche Ingenieursunternehmen, die im Bereich nachhaltiger Transportlösungen und Leichtbau forschen, könnte Brins Projekt neue Denkanstöße liefern.
Ukrainische Perspektive: Eine Lektion für unsere Investoren und Erfinder
Für den ukrainischen Geschäftsleser ist Brins Geschichte nicht nur eine amüsante Nachricht aus dem Leben der Superreichen. Es ist ein anschaulicher Fall darüber, wie das Denken eines weltklasse Innovators funktioniert. Er schaut nicht auf das, was heute modisch ist (alle bauen Drohnen), sondern auf das, was morgen zum Durchbruch werden könnte. Er hat keine Angst vor Ideen, die alle für veraltet halten, weil er weiß: Jede alte Technologie kann mit neuen Materialien, Steuerungssystemen und Daten neu gedacht werden.

Die Ukraine hat ebenfalls genug talentierte Ingenieure und mutige Unternehmer. Die Frage ist oft nicht die der Ideen, sondern des Mutes und der Ressourcen für deren Umsetzung. Brin, in der UdSSR geboren und in den USA aufgewachsen, zeigt, dass man in Kategorien ganzer Branchen denken kann. Vielleicht inspiriert sein Beispiel auch unsere Geschäftsleute zu Projekten, die hier und jetzt unmöglich erscheinen – sei es in der Agrartechnologie, der Energie oder eben der Transportlogistik. Angesichts der ukrainischen Bedürfnisse beim Aufbau einer robusten Logistik in schwierigem Gelände könnte die Wiederbelebung „alter“ Transportlösungen höchst aktuell sein.
Luftschiffe statt Lastwagen? Noch zu früh, aber…
Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob Brins Projekt kommerziell erfolgreich wird oder ein teures Spielzeug bleibt. Aber allein die Tatsache, dass einer der scharfsinnigsten Köpfe unserer Zeit Zeit und Geld in „Luftschlösser“ investiert, gibt zu denken. Vielleicht haben wir diese Technologie nach der Katastrophe der „Hindenburg“ im Jahr 1937 zu schnell abgeschrieben?
Wenn wir in zehn Jahren eine Flotte autonomer elektrischer Luftschiffe sehen, die Fracht in schwer zugängliche Regionen liefern oder als schwimmende Forschungslabore dienen, werden wir uns an diesen Tag erinnern – den 26. April 2017. Den Tag, an dem bekannt wurde, dass Sergey Brin unter anderem davon träumt, nicht nur Informationen im Netz zu suchen, sondern auch zu fliegen. Und das im großen Stil.
