17. September 2025. Die Ukraine und Tschechien heben ihre Wirtschaftspartnerschaft auf ein neues Niveau und legen den Grundstein für großangelegte Investitionen bereits ab 2026. Die Parteien haben sich auf eine rasche Unterzeichnung eines Regierungsabkommens (G2G) verständigt, das die rechtliche Grundlage für gemeinsame Projekte bilden wird. Das Besondere des Deals liegt in seiner Umfassendheit: Er umfasst nicht nur Finanzen, sondern auch direkte industrielle Kooperation, Energie und Umwelt.

Kern des Deals: Von Garantien zu Werkzeugmaschinen
Wie RBC-Ukraine berichtet und sich auf eine Mitteilung des ukrainischen Ministeriums für Wirtschaft, Umweltschutz und Landwirtschaft beruft, fanden die Verhandlungen in Kiew zwischen Minister Oleksiy Sobolev und einer tschechischen Delegation statt. Tschechien hat sich bereits ein bedeutendes Finanzinstrument gesichert — 188 Millionen Euro an Kreditgarantien (ca. 203 Mio. USD) vom Europäischen Investitionsfonds für Aktivitäten in der Ukraine.
Doch der Schlüssel liegt in den konkreten Mechanismen. Die Vereinbarung sieht eine Erhöhung der Versicherungsdeckung durch die tschechische Exportagentur EGAP vor, was die Risiken für Unternehmen senkt. Darüber hinaus wird die Ukraine Tschechien eine konkrete Liste der benötigten industriellen Ausrüstung für betroffene Unternehmen übermitteln. Für tschechische Unternehmen, die diese Technik liefern, sind Zuschüsse vorgesehen. Für den mitteleuropäischen Wirtschaftsraum unterstreicht diese engmaschige, sektorale Kooperation den Übergang von der humanitären Hilfe zu strukturierten, langfristigen Wirtschaftspartnerschaften im ukrainischen Wiederaufbau.
„Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit durch die Unterzeichnung eines Regierungsabkommens und das Programm ‚Industrielles Ramstein‘ zu vertiefen“,
— betonte Oleksiy Sobolev.
Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit
- Energie und ÖPP: Die tschechische Seite ist bereit, in Projekte zur Erdöl- und Erdgasförderung in den Regionen Poltawa und Lwiw unter Bedingungen von öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) und Konzessionen einzusteigen.
- Umwelt: Tschechien wird Unterstützung beim Wasserressourcenmanagement (Pläne für Flusseinzugsgebiete), der Modernisierung von Laboren und der Untersuchung von Bodenkontaminationen leisten.
- Koordination: Für einen effizienten Arbeitsablauf wird die Tschechische Entwicklungsagentur (M) noch vor Ende 2025 ein Büro in Kiew eröffnen.
Wichtig ist, dass die Zusammenarbeit nicht auf Regierungsebene beschränkt bleibt.
„Selbst unter Kriegsbedingungen arbeiten 220 tschechische Unternehmen weiterhin in unserem Land“,
— so Sobolev. Das neue Abkommen soll diese Zahl vervielfachen.
Warum dies für die ukrainische Wirtschaft wichtig ist
Für ukrainische Unternehmen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im Energiesektor, eröffnen sich mehrere Möglichkeiten:
- Zugang zu Ausrüstung und Technologie: Das Programm ermöglicht den gezielten Kauf und Einsatz moderner tschechischer Industrieausrüstung, die für die Modernisierung benötigt wird.
- Neue Projekte und Partnerschaften: Der Einstieg tschechischer Unternehmen in Energieprojekte im Rahmen von ÖPP wird eine Nachfrage nach lokalen Auftragnehmerdienstleistungen, Logistik und verwandten Dienstleistungen schaffen.
- Anhebung der Standards: Die Zusammenarbeit in den Bereichen Ökologie und Ressourcenmanagement wird ukrainische Unternehmen und Behörden dazu anregen, modernere Ansätze zu verfolgen, was für die EU-Integration von entscheidender Bedeutung ist.
Wie geht es weiter? Fahrplan bis 2026
Die Parteien beschränkten sich nicht auf allgemeine Erklärungen, sondern skizzierten konkrete Schritte:
- Herbst 2025: Teilnahme tschechischer Vertreter an einer Minenräumungskonferenz in Tokio (Oktober) und dem ReBuild Ukraine-Forum in Warschau (November).
- Frühjahr 2026: Durchführung von Investorenseminaren, u. a. zur Anziehung von Wagniskapital für die ukrainische Bergbauindustrie.
- 2026: Start der praktischen Umsetzung der ersten durch Kreditgarantien abgesicherten Projekte.
Dieses Abkommen ist ein Beispiel dafür, wie militärisch-politische Unterstützung sich in konkrete wirtschaftliche und Investitionsprogramme verwandeln kann und sollte. Für die Ukraine ist dies die Chance, nicht nur Geld, sondern auch Technologie, Expertise und langfristige Partner für die Wiederherstellung des Industriepotenzials anzuziehen.
