Ein Update eines Chatbots des KI-Entwicklers Anthropic, das juristische Arbeit automatisieren kann, hat einen Panikverkauf von Aktien daten- und analyseanbietender Unternehmen ausgelöst. Die Verkaufswelle, die in Europa begann, fegte über die Wall Street und erreichte die asiatisch-pazifische Region. Die Aktien von Relx, Salesforce, Adobe, Tata und Kingdee brachen um 7-14 % ein. Analysten stellen fest: Anleger wissen angesichts der KI-Bedrohung nicht mehr, wie sie solche Unternehmen bewerten sollen.
Die globalen Aktienmärkte sahen sich diese Woche mit einer neuen Phase der technologischen Revolution konfrontiert – der Zerstörungsphase. Wie Branchenanalysten berichten, war der Auslöser für den Einbruch ein Update des Chatbots Claude des Unternehmens Anthropic (hinter dem Amazon und Google stehen). Das neue Tool soll juristische Arbeit automatisieren: Vertragsprüfung, Analyse von Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs), Compliance-Verfahren und die Erstellung von Standarddokumenten.
Diese Nachricht wurde vom Markt als direkte Herausforderung für die Geschäftsmodelle von Unternehmen aufgefasst, die seit Jahrzehnten Datenbanken, Analysetools und Software an Anwälte, Banken und Konzerne verkaufen. Wenn KI es billiger und schneller kann, steht ihre Zukunft in Frage. Diese Volatilität betrifft auch den mitteleuropäischen Technologie-Sektor, wo viele Unternehmen Zulieferer für die betroffenen Konzerne sind.
Chronik des Einbruchs: von London bis Tokio
Zuerst spürte London den Schlag. Die Aktien des Informations- und Analyseunternehmens Relx brachen um 14 % ein, die Verlagsgruppe Pearson verlor fast 8 % und die London Stock Exchange Group fiel um 13 %.
Die Welle erreichte sofort New York, wo nach Börsenschluss die Aktien der wichtigsten Softwareunternehmen tiefe Verluste zeigten:
- Salesforce, Datadog, Adobe — verloren etwa 7 %.
- Synopsys, Atlassian — fielen um etwa 8 %.
- Intuit — brach um 11 % ein.
Bis zum Morgen des 4. Februars griff die Panik auf Asien über. Die Aktien des indischen IT-Riesen Tata Consultancy Services fielen um 6,8 %, Infosys verlor über 8 %. In China brachen die Aktien von Kingdee International Software um 12,5 % ein, und in Japan verlor das Nomura Research Institute 8 %.
Analystenmeinung: „Anleger wissen nicht, wie sie diese Aktien bewerten sollen“
Experten und Analysten erklären, wie so oft, leicht und mit einer gewissen Ironie das Wesen bereits eingetretener Ereignisse, als hätten sie schon lange darauf gewartet, es nur vergessen zu sagen. Nun, besser spät als nie.
„Die Erleichterung nach dem Nachlassen der Verkäufe auf dem Metallmarkt in der vergangenen Woche dauerte so lange, bis Nachrichten auftauchten, dass Anthropic, ein von Amazon und Google unterstütztes KI-Startup, ein neues KI-Tool veröffentlicht hat, das für die Bearbeitung juristischer und Forschungsarbeit gedacht ist, die traditionell mit kostenpflichtigen Datenbanken durchgeführt wird,“
— sagt Ipek Ozkardeskaya, Senior Analystin bei Swissquote.
Ihre Ansicht teilt der Saxo Markets-Strateg Neil Wilson, der das Geschehen als „Notverkauf“ (fire sale) bezeichnet.
„Der Handel mit Softwareaktien dominierte am Dienstag in den USA die Berichterstattung. Die Aktien der IT-Forschungsfirma Gartner brachen um -20 % ein… Es war ein Gemetzel für diese Aktien. Auch S&P Global, Intuit, Equifax und Moody’s verzeichneten starke Verluste, und es fühlte sich wie ein Ausverkauf an, weil die Anleger keinerlei Einblick oder Vertrauen mehr in ihre Geschäftsmodelle haben,“
— so Wilson.
Er betont das Kernproblem:
„Die Aktien von Softwareunternehmen im S&P-500-Index sind seit Jahresbeginn nun um –25 % gefallen… Es geht um eine zunehmende Spaltung im ‚KI-Handel‘. Wir wissen nicht, wer gewinnt und wer verliert, und wir wissen noch nicht, wie nützlich einige dieser Tools sind, aber wir glauben, dass viele dieser Unternehmen Schwierigkeiten haben werden, Marge zu generieren, da KI Wettbewerbsvorteile komprimieren und wegnehmen wird.“
Kurz gesagt, in einfachen Worten, wie man sich bettet, so liegt man.
Dominoeffekt: Der Schlag erreicht die KI-„Wale“
Die Panik beschränkte sich nicht nur auf den Software-Sektor. Da diese Unternehmen große Kunden von Cloud-Dienstgiganten und Chipherstellern sind, traf die Verkaufswelle auch sie. Während des Handels fielen auch die Aktien von:
- Microsoft (MSFT) –2,87 %
- Nvidia (NVDA) –2,84 %
- Amazon (AMZN) –1,79 %
- Meta (META) –2,08 %
Dies zeigt, wie vernetzt das gesamte Ökosystem der Hochtechnologie ist: Ein Schlag gegen das letzte Glied der Wertschöpfungskette (Softwaredienste) hallt an ihrem Anfang (Hersteller von „Hardware“ und Cloud-Plattformen) wider.
Schlussfolgerungen: Der Markt sucht neue Gewinner im KI-Zeitalter
Der aktuelle Ausverkauf ist nicht nur eine Korrektur, sondern eine grundlegende Neubewertung von Risiken. Der Markt beginnt zu realisieren, dass künstliche Intelligenz nicht nur ein Wachstumstreiber für Unternehmen wie NVIDIA ist, sondern auch eine existenzielle Bedrohung für ganze Branchen, deren Dienstleistungen automatisiert werden können.

Für Anleger bedeutet dies, dass die Ära des garantierten Wachstums für jede „Technologie“-Aktie vorbei ist. Eine tiefgehende Analyse der Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells gegenüber dem Druck durch KI rückt in den Vordergrund. Wer ist als Nächstes dran? Finanzanalysten, Beratungsunternehmen, Designbüros? Die von KI ausgelöste Welle der „schöpferischen Zerstörung“ gewinnt gerade erst an Fahrt und könnte in den kommenden Monaten die Landkarte des globalen Aktienmarktes radikal neu gestalten und diejenigen, die sich anpassen, von denen trennen, die sie „verschlingen“ wird.
