Der Index der Geschäftserwartungen (IGE) ist im Januar 2026 auf 41,3 Punkte von 49,2 im Dezember gesunken und damit wieder in den negativen Bereich zurückgekehrt. Saisonalität, Energieprobleme und logistische Schwierigkeiten haben Unternehmen aller Sektoren außer der Industrie pessimistischer gemacht. Im Vergleich zum Januar 2025 sieht die Situation jedoch etwas besser aus.
Die Stimmung der ukrainischen Wirtschaft verschlechterte sich traditionell im ersten Monat des Jahres. Laut den Ergebnissen der monatlichen Umfrage der Nationalbank der Ukraine (NBU) ist das Schlüsselbarometer für das Geschäftsklima — der IGE — erneut unter die Marke von 50 Punkten gefallen, die positive und negative Erwartungen trennt. Der Rückgang um fast 8 Punkte nach Dezember steht im Zusammenhang mit einem saisonalen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit.
Hauptherausforderungen: Energie, Logistik und Arbeitskräfte
Neben der Saisonalität lastete eine ganze Reihe von Problemen auf der Indexdynamik im Januar:
- verstärkte Angriffe auf die Energie- und Logistikinfrastruktur;
- Mangel an Energieressourcen und steigende Kosten für alternative Energiequellen;
- logistische Probleme;
- Mangel an qualifizierten Fachkräften;
- stärkere Wechselkurserwartungen (Erwartung einer Abwertung der Hrywnja).
Die wenigen positiven Faktoren blieben Zuflüsse internationaler Finanzhilfe und eine Verlangsamung der Inflation.
„Im Januar 2026 lag der IGE bei 41,3 gegenüber 49,2 im Dezember 2025, war aber etwas höher als das Niveau im Januar 2025 (41,0)“,
stellt die NBU fest.
Branchenbild: Wer hat am meisten gelitten?
Bau (37,9) — der pessimistischste Sektor aufgrund schwieriger Witterungsbedingungen und steigender Kosten durch Stromausfälle. Bauunternehmen erwarten einen Rückgang der Arbeitsmengen und Materialkäufe.
Handel (40,0) — senkte nach 10 Monaten positiver Erwartungen seine Bewertungen aufgrund des traditionellen Januar-Rückgangs und des Strommangels drastisch. Unternehmen erwarten eine Verringerung des Umsatzes und der Lagerbestände.
Dienstleistungen (42,1) — der Sektor senkte seine Bewertungen aufgrund steigender Lohn- und Heizkosten sowie logistischer Schwierigkeiten. Ein Rückgang des Dienstleistungsvolumens und neuer Aufträge wird erwartet.
Industrie (41,7) — obwohl der Sektor seine Bewertungen aufgrund von Kapazitätszerstörung, Energiemangel und Personalmangel verschlechterte, erwies sich sein Pessimismus als geringer als im Januar 2025 (42,0). Die Industriellen erwarten einen Rückgang der Produktion und neuer Aufträge, auch im Export.
Alarmierende Trends: Preise, Löhne und Beschäftigung
Fast alle Befragten erwarten weitere Preiserhöhungen für ihre Produkte und Dienstleistungen vor dem Hintergrund einer beschleunigten Steigerung der Einkaufspreise.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weniger stabil geworden. Zum ersten Mal seit mehreren Monaten sind Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen geneigt, die Gesamtzahl der Mitarbeiter zu reduzieren, und zwar am deutlichsten — in der Industrie. Dies ist ein wichtiges Signal für einen möglichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten.
Schlussfolgerungen: Ein schwieriger Start in ein schwieriges Jahr
Die Daten der NBU bestätigen, dass das Jahr 2026 für die ukrainische Wirtschaft im Herausforderungsmodus begonnen hat. Die Unternehmen stehen unter Druck sowohl durch militärische Faktoren (Angriffe auf die Infrastruktur) als auch durch klassische wirtschaftliche Probleme (Kosteninflation, Arbeitskräftemangel). Die Schlussfolgerungen der Zentralbank des Landes werden auch durch die ukrainischen Unternehmen bestätigt, mit denen ich diese Frage im Rahmen der Vorbereitung dieses Materials besprechen konnte.

Vorsichtigen Optimismus weckt lediglich die Tatsache, dass die Situation in drei von vier Sektoren (Bau, Handel, Dienstleistungen) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwas besser aussieht. Dies könnte auf eine allmähliche Anpassung der Unternehmen an die Arbeit unter ständigem Stress hindeuten. Um den negativen Trend umzukehren und den Index wieder in den positiven Bereich zu bringen, werden jedoch nicht nur die Anstrengungen der Unternehmen selbst, sondern auch eine erhebliche staatliche Unterstützung in Form einer stabilen Energieversorgung, des Schutzes der Logistik und der makroökonomischen Stabilität erforderlich sein.
Es wurden 594 Unternehmen befragt. Detaillierte Umfrageergebnisse sind auf der Website der NBU im Bereich „Publikationen“ verfügbar.
