Kiew, 15. Juli 2016. Das Kabinett der Ukraine hat eine Stabilisierungssubvention an lokale Haushalte für die Finanzierung der beruflichen und technischen Bildung (VTE) genehmigt.

Der Gesamtbetrag der zur Unterstützung von Berufsschulen in Kleinstädten bereitgestellten Mittel beträgt 97.994.600 Hrywnja (UAH) (ca. 3,6 Millionen Euro bzw. 3,98 Millionen US-Dollar zum Stand vom 15.07.2016). Dies teilte der Pressedienst des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine mit.
Wer erhält die Hilfe und warum?
Laut dem Regierungsbeschluss wird die Subvention ausschließlich an Städte fließen, deren Haushalte die finanzielle Last für den Unterhalt lokaler Berufsschulen (VTE-Einrichtungen) nicht alleine tragen können. Als Auswahlkriterium galt, dass der Anteil der Ausgaben für die berufliche Bildung 20 % der Gesamtausgaben des lokalen Haushalts übersteigt.
„Dies ist ein sehr notwendiger Schritt zur Unterstützung der beruflichen und technischen Bildung in der Ukraine heute. Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass kleine Städte regionaler Bedeutung es sich schlichtweg nicht leisten können, lokale Berufsschulen ausschließlich aus eigenen Haushalten zu finanzieren“, heißt es in der Mitteilung des Bildungsministeriums.
So wird die finanzielle Unterstützung 20 Städte erreichen, die sich aufgrund des hohen Anteils der VTE-Ausgaben in der schwierigsten finanziellen Lage befinden.
Kontext: Warum ist das jetzt wichtig?
Die Entscheidung der Regierung erfolgt im Rahmen der allgemeinen Reform des Bildungssystems und der Dezentralisierung, die erhebliche finanzielle Verantwortung auf die lokalen Behörden verlagert. Viele Kleinstädte, insbesondere Monostädte oder Siedlungen mit schmaler Wirtschaftsbasis, waren jedoch nicht in der Lage, sozial wichtige Einrichtungen wie Berufsschulen vollständig zu finanzieren.
Die Unterstützung der beruflichen Bildung ist eine strategische Frage für die Wirtschaft. Berufsschulen bilden qualifizierte Fachkräfte und mittlere Fachkräfte wie Schweißer, Dreher, Bauarbeiter, Köche und Schneider aus, die auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. Ohne staatliche Unterstützung könnten viele Bildungseinrichtungen in strukturschwachen Regionen schließen, was zu einem verstärkten Fachkräftemangel vor Ort und geringeren Bildungsmöglichkeiten für junge Menschen führen würde.
Mechanismus und Finanzierungsperspektiven
Die zugewiesene Subvention hat stabilisierenden Charakter, d. h. sie soll die Haushaltsmöglichkeiten der verschiedenen Regionen angleichen, um das verfassungsmäßige Recht auf Bildung zu gewährleisten. Zuvor hatte die Werchowna Rada (Parlament) im Juni 2016 dem Kabinett erlaubt, die Empfänger solcher interbudgetärer Transfers festzulegen, was die aktuelle Entscheidung ermöglichte.
Dieser Schritt kann als Teil einer breiteren Agenda zur Unterstützung der ukrainischen Bildung gesehen werden. Wie in der Mitteilung erwähnt, will die Ukraine auch ihre Arbeit zur Unterstützung der Bildung im Ausland intensivieren, einschließlich der Ausstellung internationaler Zertifikate für Ukrainischkenntnisse und der Bereitstellung von Lehrmaterial für ukrainische Lehrer und Schulen in anderen Ländern.
Analyse: Signal für Prioritäten und Herausforderungen
Die Bereitstellung von fast 100 Mio. UAH ist ein wichtiges politisches und wirtschaftliches Signal:
- Anerkennung des Problems: Der Staat erkennt offen an, dass einige Gemeinden unter den Bedingungen der Dezentralisierung mit der finanziellen Belastung nicht zurechtkommen, und übernimmt einen Teil der Verantwortung.
- Erhalt der Infrastruktur: Die Mittel zielen auf den Erhalt des bestehenden Netzes von Berufsschulen ab, was für die Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit in den Regionen entscheidend ist.
- Investition in Humankapital: Die Unterstützung der beruflichen Bildung ist eine Investition in die zukünftige Arbeitskraft, ohne die eine Modernisierung der Industrie und die Entwicklung kleiner lokaler Unternehmen unmöglich sind.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch die effektive Nutzung dieser Mittel. Werden die Gelder zweckgebunden verwendet und tragen sie tatsächlich dazu bei, die Qualität der Ausbildung und die materielle und technische Basis der Schulen zu verbessern? Die Antwort auf diese Frage hängt von der Kontrolle durch das Bildungsministerium und die Aktivität der lokalen Gemeinden ab.
Ein Schritt zu einer ausgewogenen Entwicklung
Die Entscheidung der Regierung, eine Subvention in Höhe von 97,9 Mio. UAH für die berufliche Bildung bereitzustellen, ist eine rechtzeitige Maßnahme, um die im Zuge der Dezentralisierung entstandenen Ungleichgewichte auszugleichen. Sie soll sicherstellen, dass das Recht auf eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung nicht nur den Bewohnern großer Städte, sondern auch der Jugend in Kleinstädten zugänglich ist.
Für deutsche Unternehmen mit Interesse am ukrainischen Markt oder bestehenden Partnerschaften ist die Verfügbarkeit einer gut ausgebildeten lokalen Belegschaft ein wichtiger Standortfaktor. Diese staatliche Unterstützung der beruflichen Infrastruktur kann als positives Signal für die langfristige Entwicklung der Regionen und die Verbesserung der Investitionsbedingungen gewertet werden, ähnlich dem deutschen dualen Ausbildungssystem in Grundzügen.
Langfristig hängt die Nachhaltigkeit des Berufsbildungssystems nicht nur von einmaligen Subventionen ab, sondern von der Entwicklung von Public-Private-Partnership-Mechanismen, bei denen Unternehmen ein direktes Interesse an der Finanzierung und am „Bestellen“ bestimmter Fachrichtungen haben. Derzeit ist dieser Schritt jedoch ein notwendiger „Stabilisator“, der das Humankapitalpotenzial in den Regionen bewahren und Tausenden künftigen qualifizierten Fachkräften eine Entwicklungschance geben wird.
Zur Information: Die Wechselkurse zum 15.07.2016 – 1 USD = 24,63 UAH, 1 EUR = 27,21 UAH (durchschnittliche NBU-Kurse). Der Subventionsbetrag entspricht ca. 3,98 Mio. USD / 3,60 Mio. EUR.
