Laut der Nationalbank der Ukraine (NBU) hat sich die Geldbasis der Ukraine in der vergangenen Woche (vom 20. bis 24. Januar) um 400 Millionen Hrywnja verringert, und die Geldmenge M3 ist um 300 Millionen geschrumpft. Gleichzeitig stiegen die Unternehmenseinlagen weiter, während die Kreditzinsen mit 19,4% hoch bleiben.
Die Statistik der Nationalbank für die dritte Januarwoche zeigt Anzeichen einer sich verengenden Geldversorgung. Die Geldbasis, die die Grundlage für die Schaffung der Geldmenge bildet, verringerte sich auf 29,8 Mrd. UAH. Die breite Geldmenge M3, die Bargeld und alle Arten von Einlagen umfasst, sank auf 62,2 Mrd. UAH. Am deutlichsten ging das Bargeldvolumen außerhalb von Banken (Aggregat M0) um 800 Mio. UAH zurück, was auf eine saisonale Rückkehr von Mitteln in das Bankensystem nach den Neujahrsfeiertagen hinweisen könnte.
Paradox der Woche: Geld verlässt den Bargeldumlauf, landet aber auf Einlagenkonten
Trotz der allgemeinen Schrumpfung der Geldmenge finden interessante strukturelle Veränderungen statt. Die Unternehmenseinlagen stiegen um 3,1% und erreichten 17,6 Mrd. UAH. Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen freie Mittel haben, die sie vorerst nicht in die Expansion investieren möchten und Bankkonten bevorzugen.
Die Einlagen von Privatpersonen in Hrywnja blieben auf dem Niveau von 11,4 Mrd. UAH. Der durchschnittliche Einlagensatz beträgt 7,1%, für Termineinlagen 8,4%, was angesichts der niedrigen Inflation (im Jahr 2002 etwa 0,8%) recht attraktiv erscheint.
„Zur Aufrechterhaltung der Liquidität des Bankensystems refinanzierte die Nationalbank der Ukraine vom 20. bis 24. Januar Banken in Höhe von 5,7 Mio. UAH“,
so der Aufsichtsbehörde.
Kreditmarkt: Wachstum im Anfangsstadium
Die Kreditvergabe der Banken erhöhte sich in der Woche nur um 0,2% und erreichte 40,1 Mrd. UAH. Davon machen Kredite in Landeswährung 23,1 Mrd. UAH aus. Das Kernproblem bleiben die hohen Kosten für Fremdkapital: Der durchschnittliche Kreditzins beträgt 19,4%. Dieser hohe Satz macht Kredite für viele Unternehmen des realen Sektors unzugänglich und bremst die Investitionstätigkeit. Für deutsche Firmen, die Kosten in der Ukraine kalkulieren, entspricht dieser Zinssatz bei einem Wechselkurs von etwa **6,20 UAH für 1 EUR** effektiv einem Satz von über 3%, was die Rentabilität lokaler Investitionen erheblich beeinträchtigen kann.
Haushaltskanal: Auktionen für Staatsanleihen brechen Rekorde
Besonders bemerkenswert ist die Aktivität am Markt für innenstaatliche Anleihen. Über Auktionen zur Platzierung von Staatsanleihen (OVDP) wurden in der Woche 29,2 Mrd. UAH in den Staatshaushalt geleitet, bei einer durchschnittlichen gewichteten Rendite von 8%. Diese enormen Volumina belegen zwei Dinge: Erstens haben die Banken überschüssige Liquidität, die sie gerne in sichere Staatspapiere anlegen; zweitens finanziert das Finanzministerium das Haushaltsdefizit aktiv durch Inlandsverschuldung.

Was bedeutet dies für die Wirtschaft?
Insgesamt heben von mir befragte Experten drei Hauptpunkte hervor:
- Restriktive Politik der NBU. Die Verringerung der Geldbasis könnte ein gezielter Schritt der Aufsichtsbehörde zur Kontrolle der Inflationserwartungen und zur Stärkung der Hrywnja sein.
- Ansammlung, nicht Investition. Das Wachstum der Unternehmenseinlagen bei minimalem Kreditwachstum spricht für anhaltende Vorsicht der Unternehmen und hohe Risiken.
- Der Staat verdrängt private Kreditnehmer. Das kolossale Volumen platzierter Staatsanleihen (29,2 Mrd. UAH) „fängt“ praktisch die Bankenliquidität ab, die zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft hätte fließen können.
Die Wochenbilanz zeichnet das Bild einer Wirtschaft, in der Geld vorhanden ist, aber nicht bei den Endproduzenten ankommt, sondern entweder auf Einlagenkonten oder in Staatsanleihen stecken bleibt. Die Aufgabe von Nationalbank und Regierung für das Jahr 2003 ist es, einen Weg zu finden, diesen Kreislauf zu durchbrechen und Finanzströme in Investitionen zu lenken.
* Wechselkurs am 27.01.2003: ~1 EUR ≈ 6,20 UAH; ~1 USD ≈ 5,35 UAH (Referenz). Berechnungen basieren auf Durchschnittskursen und stellen keine Finanzempfehlung dar.
