Kiew, 24. August 2018. Am feierlichen Unabhängigkeitstag, während der Parade auf dem Chreschtschatyk, nannte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko zentrale Wirtschaftskennzahlen, die die Neuausrichtung des Außenhandels des Landes demonstrieren. Der Schwerpunkt lag auf dem raschen Wachstum des Handelsumsatzes mit der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika, was nach Aussage des Staatsoberhauptes eine Antwort auf die durch die Schließung des russischen Marktes verursachten Verluste darstellt.
Europäische Ausrichtung: EU-Anteil am Handel erreicht 43 %

In seiner live übertragenen Rede betonte Petro Poroschenko, dass die Ukraine „unweigerlich Teil des europäischen Raumes wird“. Als Hauptbeweis dafür nannte er die Dynamik der Handelsbeziehungen.
„Das Assoziierungsabkommen und die vertiefte, umfassende Freihandelszone mit der Europäischen Union sind in Kraft getreten. Als Ergebnis, als Konsequenz, beträgt der EU-Anteil jetzt fast 43 % gegenüber 32 % vor noch 4 Jahren“,
erklärte der Präsident.
Somit ist der Anteil der Europäischen Union am Außenhandel der Ukraine in vier Jahren um 11 Prozentpunkte gestiegen. Poroschenko führte diesen Erfolg auf die Umsetzung des Assoziierungsabkommens und der DCFTA sowie auf das seit über einem Jahr geltende visumfreie Regime zurück. Seiner Meinung nach habe die „klare europäische Strategie“ es ermöglicht, die Verluste aus der „politisch motivierten Schließung ihres Marktes durch Russland“ auszugleichen.
Atlantische Partnerschaft: Explosives Handelswachstum mit den USA

Ein besonderer Erfolg war das Wachstum des Handelsumsatzes mit den USA. Während eines Treffens in Kiew mit dem US-Sicherheitsberater John Bolton, das ebenfalls am 24. August stattfand, nannte Poroschenko eine beeindruckende Zahl.
„Unser Handelsumsatz ist in dieser kurzen Zeit, in etwas mehr als einem Jahr, um 70 % gestiegen. Kein anderes Land der Welt weist ein solches Wachstum auf“,
berichtete der ukrainische Führer.
Laut „RBC-Ukraine“ erläuterte der Präsident, dass dieses Wachstum das Ergebnis von Vereinbarungen sei, die während seines Besuchs im Weißen Haus erzielt worden seien. Zu den konkreten Projekten zählte er die Lieferungen amerikanischer Kohle an ukrainische Wärmekraftwerke, die Nutzung amerikanischen Kernbrennstoffs, Investitionen in den Bau einer Anlage zur Herstellung von Behältern für nukleare Abfälle sowie Investitionen in den Agrarsektor.

Politischer Kontext: Sanktionen und Sicherheit
Der Besuch von John Bolton verlieh den wirtschaftlichen Erfolgen ein bedeutendes politisches Gewicht. Der amerikanische Gast erklärte, die USA seien bereit, mit der Ukraine zusammenzuarbeiten, um eine Einmischung Russlands in die bevorstehenden ukrainischen Wahlen zu verhindern. Er bestätigte auch, dass die Sanktionen gegen die Russische Föderation bis zu einer Verhaltensänderung in Kraft bleiben würden. Darüber hinaus wurde bekannt, dass die USA bereits am 27. August die erste Phase neuer Sanktionen gegen Russland beginnen würden, was den Zugang der RF zu sensiblen amerikanischen Gütern einschränken würde.
Für die deutsche und europäische Wirtschaft unterstreichen diese Zahlen die erfolgreiche Neuausrichtung der Ukraine auf stabile westliche Märkte, was ihre Attraktivität als Handelspartner erhöht.
Analyse: Die neue Wirtschaftsgeographie der Ukraine
Die am Unabhängigkeitstag genannten Zahlen bedeuten eine tiefgreifende strukturelle Umgestaltung der ukrainischen Außenwirtschaftsbeziehungen:
- Die EU als Hauptpartner: Der Anstieg des EU-Anteils auf 43 % bestätigt den Erfolg der europäischen Integrationsstrategie im Handelsbereich. Ukrainische Unternehmen eignen sich aktiv die Anforderungen des europäischen Marktes an und finden neue Nischen.
- Die USA als strategischer Partner: Das Wachstum von 70 % innerhalb eines Jahres betrifft nicht nur die Energiesicherheit (Kohle, Kernbrennstoff), sondern auch die Vertiefung der Zusammenarbeit in Hochtechnologie- und Agrarsektoren.
- Kompensation von Verlusten: Die Diversifizierungspolitik hat es ermöglicht, die nach der Einführung von Handelsbeschränkungen durch Russland verlorenen Handelsvolumina nicht nur zu ersetzen, sondern zu übertreffen.
Diese Veränderungen sind strategischer Natur. Sie bedeuten die Integration der ukrainischen Wirtschaft in Wertschöpfungsketten mit entwickelteren, stabileren und technologisch fortschrittlicheren Partnern, was die Grundlage für langfristiges Wachstum schafft.
Wirtschaft als Grundlage der Unabhängigkeit

Zum 27. Jahrestag der Unabhängigkeit legten die ukrainischen Behörden den Schwerpunkt nicht nur auf die auf der Parade demonstrierte militärische Stärke, sondern auch auf wirtschaftliche Errungenschaften. Die vom Präsidenten genannten Zahlen zeugen von einer grundlegenden Verschiebung: Die ukrainische Wirtschaft hat in den letzten Jahren eine schwierige, aber erfolgreiche „Hinwendung zum Westen“ vollzogen.
Dieser Prozess ist nicht nur ein Wechsel der Handelspartner. Es ist die Integration in neue, komplexere und anspruchsvollere Märkte, die ukrainische Unternehmen zur Modernisierung und zur Anhebung von Standards zwingt. Die Nachhaltigkeit dieses Trends wird von der Fähigkeit ukrainischer Hersteller abhängen, unter den Bedingungen des Freihandels mit der EU wettbewerbsfähig zu bleiben, und von der weiteren Unterstützung der strategischen Partnerschaft mit den USA. Heute jedoch kann festgestellt werden: Die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Ukraine gewinnt konkrete Handelskonturen und verlässliche Partner.
