Der chinesische Technologieriese Xiaomi ist der praktischen Umsetzung des Konzepts der „Light-out-Fertigung“ (vollautomatische Fabrik) einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Gestern veröffentlichte das Unternehmen die Ergebnisse von Tests mit eigenen humanoiden Robotern in einem Elektrofahrzeugwerk, die zeigen, dass die industrielle Automatisierung bereit ist, auf ein qualitativ neues Niveau überzugehen.
Für den Hightech-Sektor und die Investorengemeinschaft in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist dieser Test ein entscheidender Moment, der signalisiert, dass autonome Systeme schneller reifen als erwartet und bereit sind, traditionelle Fertigungslieferketten und Arbeitsmodelle zu verändern.
Xiaomi-CEO Lei Jun bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass die Roboter in der Testphase drei Stunden lang autonom arbeiteten und komplexe Montagevorgänge ohne menschliches Eingreifen durchführten. Dies ist der erste dokumentierte Fall eines so langen, ununterbrochenen Betriebs industrieller humanoiden Roboter in einer realen Fabrikumgebung und nicht in einem Labor.
Zahlen: 90,2 % Effizienz bei einem Takt von 76 Sekunden pro Auto
Laut Daten, die vom South China Morning Post veröffentlicht wurden, wurden die Tests an einer aktiven Montagelinie durchgeführt. Die Roboter hatten die Aufgabe, Befestigungselemente in Fahrzeugböden zu installieren. Der wichtigste Leistungsindikator – die Erfolgsquote der gleichzeitigen beidseitigen Montage – erreichte 90,2 % innerhalb eines Produktionszyklus von 76 Sekunden pro Fahrzeug.
Das Unternehmen wies darauf hin, dass die größten Herausforderungen die Notwendigkeit einer präzisen Ausrichtung mit Positionierstiften, der Umgang mit unterschiedlichen Mutterndesigns und die Kompensation von Magnetfeldern waren, die die Greifstabilität beeinträchtigen könnten. Neben dem Befestigen führten die Roboter auch erfolgreich Hilfsaufgaben aus: Entfernen von Schutzfolien, Anbringen von Firmenemblemen und Bewegen von Materialbehältern.
Technologische Grundlage: Taktiles Sehen und multimodale Modelle
Aus technischer Sicht ist die Steuerungsarchitektur von größtem Interesse. Die Roboter arbeiten auf der Grundlage eines taktilen Feinabstimmungsmodells namens TacRefineNet. Ein Hauptmerkmal ist die Ausführung von Operationen basierend auf taktiler Rückmeldung, ohne auf maschinelles Sehen oder 3D-Objektmodelle angewiesen zu sein. Dies stellt einen grundlegend anderen Ansatz zur Sicherstellung der Montagegenauigkeit dar.
Gleichzeitig wird ein Vision-Language-Action (VLA)-System eingesetzt, um Produktionsaufgaben zu interpretieren und Aktionssequenzen zu generieren. Im Wesentlichen führt der Roboter nicht nur ein einprogrammiertes Programm aus, sondern „versteht“ den Kontext der Aufgabe und passt seine Aktionen entsprechend an, was für die Bewältigung von nicht standardmäßigen Situationen entscheidend ist.
Strategische Perspektiven: Fünf Jahre bis zur industriellen Einführung
Bei der Kommentierung der Testergebnisse betonte Lei Jun, dass „dies der erste Schritt zur stabilen Anwendung von Xiaomis humanoiden Robotern im Bereich der intelligenten Fertigung ist“. Mittelfristig, in den nächsten fünf Jahren, plant das Unternehmen, eine beträchtliche Anzahl dieser Roboter in seinen eigenen Fabriken einzusetzen. Obwohl konkrete Stückzahlen und Investitionszeitpläne nicht bekannt gegeben werden, ist die strategische Richtung klar: der Übergang von Labordemonstrationen zur Umsetzung im industriellen Maßstab.
Es ist erwähnenswert, dass diese Ankündigung inmitten einer breiteren Belebung der humanoiden Robotik in China erfolgt. Branchenquellen berichten, dass allein in dieser Woche mindestens zwei spezialisierte Unternehmen den Abschluss großer Finanzierungsrunden bekannt gegeben haben: Galbot sicherte sich etwa 363 Millionen US-Dollar (etwa 314 Millionen Euro / 323 Millionen Schweizer Franken)*, und Noetix Robotics sammelte etwa 145 Millionen US-Dollar (etwa 125 Millionen Euro / 129 Millionen Schweizer Franken)* unter Beteiligung eines mit dem Batterieriesen Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) verbundenen Unternehmens.
Xiaomi-Roboter montieren Autos selbst – Video
Das folgende Video zeigt, wie die humanoiden Roboter von Xiaomi Fahrzeuge derselben Marke montieren. Wir präsentieren es Ihnen zur Ansicht.
Wie Sie sehen, arbeiten sie ohne Kaffeepausen, Diskussionen über das gestrige Spiel und überhaupt ohne Unterbrechungen.
Bewertung und Schlussfolgerungen
Für die Fachwelt markieren die Testergebnisse einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Fertigungstechnologie. Die Erfolgsquote von 90,2 % beim langen autonomen Betrieb zeigt, dass die humanoide Robotik die Schwelle zur industriellen Tauglichkeit erreicht. Obwohl vollständig unbemannte Fabriken noch ein fernes Ziel sind, sind es genau diese Integrationsprojekte an aktiven Linien, die die Datenerfassung und algorithmische Verfeinerung ermöglichen.

Für Unternehmen, die sich auf Hightech-Industrien und internationale Zusammenarbeit konzentrieren, ist dies ein klares Signal, die Entwicklung autonomer Montagetechnologien genau zu verfolgen. Die Erfahrung von Xiaomi zeigt, dass Hardware und künstliche Intelligenz heute in der Lage sind, Funktionen zu übernehmen, die hohe Präzision und taktile Sensibilität erfordern, was die Struktur der Wertschöpfung in der Industrie in naher Zukunft unweigerlich verändern wird.
*Hinweis: Zur Vereinfachung der Berechnung wurden ungefähre Wechselkurse vom 6. März 2026 verwendet: 1 USD = 43,81 UAH, 0,865 EUR, 0,89 CHF. Alle Beträge in anderen Währungen sind Näherungswerte und dienen nur als Referenz. Aktuelle Kurse finden Sie in offiziellen Quellen oder mit diesem Währungsrechner.
